Premiere: 19.03.2026
Felix Mitterer
Zemlinsky
Uraufführung
ca. 2 Stunden, keine Pause
Ein Auftragswerk des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aus Anlass des 150. Geburtstags des Komponisten
Sorg dafür, dass jemand meine Asche nach Wien bringt.
Als Komponist war er ein Wegbereiter, ein offener Geist, der Stilrichtungen verband, der die künstlerische Aufbruchsstimmung der Jahrhundertwende quasi verkörperte. Die musikalischen Größen seiner Zeit fanden Inspiration in seiner Musik – und bescheinigten ihm ein bedeutender Komponist zu sein. Im Schatten großer Persönlichkeiten gleichsam Bedeutendes zu schaffen, ohne dafür die öffentliche Anerkennung zu finden, um die er Zeit seines Lebens rang, blieb Alexander Zemlinskys dauerndes Los. Durch Krieg und Vertreibung ins amerikanische Exil gezwungen, verfiel er am Ende seiner Tage zunehmend in künstlerische Lethargie.
Alexander Zemlinskys posthume Rückkehr nach Wien ist der Ausgangspunkt für die Spurensuche nach einem Menschen, dessen Hadern mit dem eigenen Schicksal zunehmend sein Dasein bestimmt. Felix Mitterer lässt mit seinem 2021, anlässlich des 150. Geburtstags dieses wesentlichen und dennoch beinah vergessenen Komponisten, verfassten Stück ein vielschichtiges Psychogramm entstehen, das durch Schlaglichter entscheidender Begegnungen gekonnt zeitliche, räumliche und emotionale Ebenen miteinander verbindet und so auch die Atmosphäre der Wiener Kulturszene der Jahrhundertwende rund um Alma Mahler, Franz Werfel, Arnold Schönberg und Richard Gerstl auf die Bühne bringt.
Günter Franzmeier als alter und Martin Vischer als junger Zemlinsky spielen, jeder auf seine Art, einen sympathischen Kerl, der sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Markus Kofler gibt Arnold Schönberg als tiefenentspannten Wiener Strizzi.
Ulli Maiers Alma ist eine charmante Mischung aus Berechnung, Exaltation und reizender Grausamkeit. Als alte Alma, die Zemlinsky im Exil einen letzten Besuch abstattet, erscheint Robert Joseph Bartl als betrunkenes, walkürisches Walross mit riesigem Federhut und erntet für die ziemlich dick aufgetragene Comedy-Nummer Szenenapplaus. Betörend schöne Zemlinskylieder werden von Melanie Hackl, Susa Meyer und Kimberly Rydell dargeboten.
An manchen Stellen entsteht in dieser fragmentarischen Aufführung ein Gefühl für die Treibhaus-Atmosphäre aus sexueller Überhitzung, Todessehnsucht und grellem Wahnsinn, die die Künstler jener Zeit um sich herum kreierten, während sie blind waren für das real drohende Unheil, das dennoch in der Musik deutlich zu hören ist.
(nachtkritik.de)
Die dichten Handlungsstränge werden von einem sehr gewitzten Ensemble zum Leben erweckt. Fast alle spielen mehrere Rollen, Melanie Hackl, Susa Meyer und Kymberly Rydell haben auch Gesangparts, die sie erstaunlich gut meistern – Martin Vischer und Günter Franzmeier spielen den jungen und den alten Komponisten, Robert Joseph Bartl bekommt als alte Alma Mahler sogar Szenenapplaus.
(wien live)
Johannes Brahms und Franz Werfel, Arnold Schönberg und Gustav Mahler, Alma Mahler und Richard Gerstl - sie alle hat Felix Mitterer aufgeboten, um dem Komponisten Alexander Zemlinsky (1871-1942) auf der Bühne jene Bedeutung zu verleihen, die er zu Lebzeiten nicht genoss.
Martin Vischer spielt den jüngeren Zemlinsky, einen selbstbewussten Komponisten, der sich zwischen Brahms und Wagner nicht entscheiden mag und seinen eigenen musikalischen Weg einschlägt, trotz seiner Verunglimpfung als hässlicher Zwerg erstaunlichen Erfolg bei den Frauen hat, aber für den Lebensalltag nicht gerade geeignet erscheint. "Zemlinsky kann warten", wird zum geflügelten Wort, und am Ende dieser Wartezeit steht nicht der Erfolg, sondern ein alter, gebrochener und gebrechlicher Mann, der im amerikanischen Exil nie glücklich wurde, und der von Günter Franzmeier berührend verkörpert wird.
Melanie Hackl ist die bezaubernde junge, Martina Ebm die besorgte ältere Version jener Frau, die es trotz aller Affären bis zum Schluss mit Alex ausgehalten hat.
Robert Joseph Bartl erhält zurecht Szenenapplaus: Als sich auch im New Yorker Exil wie ein Zirkuspferd benehmende ältliche und aufgedonnerte Matrone Alma besucht er den einstigen Verehrer und hält ihm gnadenlos vor, dass von seinen Komponistenkollegen jeder etwas geworden sei. Markus Kofler gelingt es, aus wenig viel zu machen: Sein Arnold Schönberg lässt so manche Zerrissenheit erahnen.
(APA)
Diese eher lose zusammengesetzte Rückschau erlaubt es, Schlaglichter auf das Wien der Zwischenkriegszeit mitsamt seinen schillernden Persönlichkeiten zu werfen. Hervorragend gelingt die Dopplung der Titelfigur: Während der jüngere Zemlinsky (Martin Vischer) eher zerstreut erscheint, verleiht Günter Franzmeier dem gealterten, im amerikanischen Exil verzweifelnden Künstler scharfe, mitleidserregende Konturen. Markus Kofler brilliert zudem in gekonntem Wienerisch als Schönberg, Julian Valerio Rehrl gibt einen exzentrischen Gerstl. Komödiantisch: Alma, als aufgedonnerte, alternde Diva, gespielt von Robert Joseph Bartl.
(Die Presse)
In seinem Stück – im Film würde man die Form „Biopic“ nennen – gelingt es Felix Mitterer, die Atmosphäre des Aufbruchs um die Jahrhundertwende zu vermitteln. Er erzählt von der Hoffnung talentierter Künstler, von vielversprechenden Begabungen, zeigt aber auch, wie bedrückend der Antisemitismus unter Bürgermeister Karl Lueger war.
(Die Furche)
Regie
Stephanie Mohr
Bühnenbild
Miriam Busch
Kostüme
Nini von Selzam
Musikalische Leitung
Wolfgang Schlögl
Choreografie "Broadway"
Kimberly Rydell
Korrepetition
Bela Fischer
Dramaturgie
Matthias Asboth
/
Silke Ofner
Licht
Manfred Grohs
Alexander Zemlinsky (der Ältere)
Günter Franzmeier
Alexander Zemlinsky (der Jüngere)
Martin Vischer
Louise Sachsel-Zemlinsky (die Ältere)
Martina Ebm
Louise Sachsel-Zemlinsky (die Jüngere)
Melanie Hackl
Alma Schindler-Mahler-Gropius-Werfel
Ulli Maier
Anna Moll/Charlotte Garrigue Masaryková
Susa Meyer
Ida Guttmann-Zemlinsky/Hansi Zemlinsky
Alexandra Krismer
Mathilde Zemlinszky (verehelichte Schönberg)
Kimberly Rydell
Arnold Schönberg
Markus Kofler
Franz Werfel/US Alma
Robert Joseph Bartl
Gustav Mahler
Ulrich Reinthaller
Johannes Brahms
Michael König
Richard Gerstl/Johannes Hollnsteiner
Julian Valerio Rehrl
Die Nornen
Melanie Hackl
Susa Meyer
Kimberly Rydell
Alter Jude, Polizist, Stromableser, SA-Mann
Michael König
Julian Valerio Rehrl
Ulrich Reinthaller










