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Regie
Herbert Föttinger
Chorregie
Andreas Salzbrunn
Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass
Musik
Andreas Salzbrunn
Alfred
Florian Teichtmeister
Die Mutter
Gabriele Schuchter
Die Großmutter
Erni Mangold
Der Hierlinger Ferdinand
Alexander Strobele
Valerie
Sandra Cervik
Oskar
Thomas Mraz
Ida
Antonia Jung /
Isabella Campestrini
Havlitschek
Matthias Franz Stein
Rittmeister
Toni Slama
Eine gnädige Frau
Therese Lohner
Marianne
Alma Hasun
Zauberkönig
Erwin Steinhauer
Zwei Tanten
Susanna Wiegand,
Bettina Schwarz
Erich
Rasmus Borkowski
Emma
Eva Mayer
Beichtvater
Kurt Sobotka
Der Mister
Alexander Waechter
Der Conférencier
Herbert Föttinger/
Peter Scholz
Zwei Prostituierte
Manon-Margaux Haller, Gabriele Putz
Männerchor
Männerchor des Theaters in der Josefstadt
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Ödön von Horváth
Geschichten aus dem Wiener Wald
Premiere: 2. Februar 2012
Spieldauer: ca. 2 Stunden, 40 Minuten, eine Pause
Man wirft mir vor, ich sei zu derb, zu ekelhaft, zu unheimlich, zu zynisch und was es dergleichen
noch an soliden, gediegenen Eigenschaften gibt – und man übersieht dabei, daß ich doch kein anderes
Bestreben habe, als die Welt so zu schildern, wie sie halt leider ist. – Und daß das gute Prinzip
auf der Welt den Ton angibt, wird man wohl kaum beweisen können – behaupten schon. – Der Widerwille
eines Teiles des Publikums beruht wohl darauf, daß dieser Teil sich in den Personen auf der Bühne
selbst erkennt – und es gibt natürlich Menschen, die über sich selbst nicht lachen können – und
besonders nicht über ihr mehr oder minder bewußtes, höchst privates Triebleben.
Ödön von Horváth (Interview vom 6. April 1932)
Pressestimmen:
Erstklassiges Ensemble! Gelungene Regie. Immer wieder stockt einem in dieser fast dreistündigen
Aufführung, die sich alle Zeit, die sie braucht, nimmt und dennoch nie langweilig wird, der Atem
angesichts von Horvaths Geniestreich: Dialoge, in denen sich Abgründe auftun, Charaktere, die in
allen denkbaren Farbschattierungen schillern... So soll es sein! (APA)
Josefstadt-Chef Herbert Föttinger hat die Bühne weitgehend leer geräumt, den Text gestrafft und auf
unnützen Schnickschnack verzichtet: Bösartig, kalt und egoman sind seine Figuren durch die Bank.
Sandra Cervik gibt der abgetakelten Trafikantin Valerie gekonnt eine komödiantische derbe Note,
Erwin Steinhauer ist als Zauberkönig abgründig, und die junge Alma Hasun stellt ihre Marianne
angenehm unpathetisch dar. (Profil)
Wiener Horváth- Contest: Sieg für die Josefstadt.
Nach Inszenierungen im Volkstheater (2008) und im Akademietheater (2010) hatte Ödön von
Horváths bitterböses Volksstück "Geschichten aus dem Wiener Wald" nun auch in der Josefstadt
Premiere, wo es eigentlich am besten aufgehoben ist – gehört doch eine "stille Straße im achten
Bezirk" zu den Hauptschauplätzen. Die Tragödie der jungen Marianne, die aus dem Joch ihres
kleinbürgerlichen Vaters ausbricht und dafür bitter bezahlen muss, findet hier allerdings
durchgehend im Wald, zwischen Baumstämmen, statt. Herbert Föttinger erweist sich einmal mehr als
souveräner Regisseur. Seine szenische Intelligenz zeigt sich beispielhaft in zwei Nacktszenen. Am
Anfang, wenn Marianne beim Baden in der Donau den Strizzi Alfred Küsst und dabei überrascht wird,
lässt Föttinger sie- anders als im Stück vorgegeben – nackt auftreten. Die Schutzlosigkeit, aber
auch der Mut Mariannes werden dadurch sehr anschaulich gemacht. Ganz anders löst Föttinger jene
immer etwas problematische Szene nach der Pause, in der Marianne im Maxim auftritt: Diese
Nacktszene findet hier im Off – also gar nicht – statt. Neben der erst 22-jährigen Alma Hasun, die
die Marianne überzeugend mit ungekünstelter Lebenswut ausstattet, gibt es mit Thomas Mraz
(Kaberettgehern als Partner von Michael Niavarani bekannt) einen weiteren Schauspieler zu
entdecken; Mariannes Verlobten, den Fleischhauer Oskar, spielt er mit teigiger Grausamkeit. Die
anderen Hauptrollen des Stücks sind bei Erwin Steinhauer (Zauberkönig), Florian Teichmeister
(Alfred), Sandra Cervik (Valerie) und Erni Mangold (Großmutter) sowieso in besten Händen. Keine
Frage: Den Wettstreit der Wiener Großbühne um die beste Inszenierung der "Geschichten aus dem
Wiener Wald" hat die Josefstadt für sich entschieden. (Falter)
[...] Florian Teichmeister stattet den bösen Strizzi Alfred mit ungewohnter Jugendfrische und einem
Hauch von echtem Sentiment aus. Alma Hasun ist keine arme Haut, sondern eine ziemlich emanzipierte
Marianne, die sich fast bis zum Schluss nicht unterkriegen lässt. Alexander Strobele macht aus dem
schmierigen Gauner Hierlinger beinahe einen Mann von Welt. Als Zauberkönig entzückt Erwin
Steinhauer. [...] (Die Presse)
Das Theater in der Josefstadt zeigt mit Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" wieder
einmal, was das Haus an Außerordentlichem leisten kann. Man dankt dies dem Direktor Herbert
Föttinger, der als Regisseur einzig will, Horváth zu inszenieren — das aber so kompromiss- wie
gnadenlos. [...] In einem genial abstrahierten Bühnenbild von nackten Baumstämmen (Rolf Langenfass)
entkleidet Föttinger das Geschehen all seiner "Wienerischen" Atmosphäre, um zum harten Kern des
Geschehens vorzudringen: den alltäglichen Menschen, die sich (im Sinne des Herrn Karl) für so gut
halten und eigentlich so fürchterlich sind. Ihre Sprache entlarvt sie, ihre Taten entlarven sie,
die Josefstädter Aufführung stellt sie ganz ohne Übertreibungen hin. [...] Wenn man Horváth schon
spielt — ja, dann so. (Neues Volksblatt)
Erni Mangold, meine Damen und Herren! Erni! Mangold! Sie ist eine Sensation in Herbert Föttingers
Inszenierung von "Geschichten aus dem Wiener Wald" in der Josefstadt. Sie spielt die kindsmordende
Großmutter mit atemberaubender präziser, eisiger Bösheit. Ihre Darstellung ist so uneitel
großartig, dass man ihr den ganzen Abend lang zuschauen möchte. [...] (Kurier)
Starker Applaus des Premierenpublikums mit etlichen Bravos. (Oberösterreichische Nachrichten)
[... ] Auf der Bühne sind lediglich stilisierte Bäume zu sehen, es gibt kein Verstecken, die
Charaktere sind ganz entblößt. Und das durchaus auch im physischen Sinne. So steht Alma Hasun, eine
sehr junge, verletzliche Marianne, in der Szene "An der schönen blauen Donau", in der sie sich dem
Tunichtgut Alfred, genial schmierig verkörpert von Florian Teichtmeister, an den Hals wirft,
tatsächlich nackt auf der Bühne, [...]. Sandra Cervik, Gattin des inszenierenden Hausherrn, zeigt
die Tragik dieser vielleicht traurigsten Gestalt des Stückes in allen Nuancen. Das wahre Trio
infernal aber sind der Zauberkönig, Oskar und die Großmutter – Scheinheiligkeit, Bosheit und
Grausamkeit in Person. [...] Kann man den Anderen noch bis zu einem gewissen Punkt menschliche
Unzulänglichkeit zugute halten, scheint das bei der Großmutter kaum möglich. Grausam, berechnend
und manipulativ, versucht sie alles in ihrer Umgebung zu kontrollieren – und schreckt nicht einmal
davor zurück, dafür zu sorgen, daß Alfreds und Mariannes Kind stirbt. Eine idealere Besetzung als
Erni Mangold scheint derzeit kaum denkbar – sie ist "die" Großmutter ihrer Zeit. Trotz seiner mehr
als 80 Jahre hat das Werk nichts an Kraft, Brisanz und Aktualität eingebüßt. Absolut zeitgemäß und
doch absolut werktreu – zu diesem wahrlich nicht einfachen Spagat allen Beteiligten ein ganz großes
"Bravo"! (European News Agency)
[...] die Josefstädter Aufführung eine der besten, die man je gesehen hat, und das geht zweifellos
voll auf das Konto von Direktor und hier auch Regisseur Herbert Föttinger. Er schlägt von der
ersten bis zur letzten Minute den richtigen Ton für dieses Stück an, [...]. In sich stimmt einfach
alles. Denn hier waltet kein eitles Regisseur-Ego ("Seht her, was mir alles eingefallen ist!"),
hier inszeniert ein Mann mit Theaterverstand Horváth.
Eines der besten Bühnenbilder, die Rolf Langenfass da geschaffen hat, hilft sehr: Baumstämme,
aber schlanke, blattlose, willkürlich verteilt auf einer Drehbühne. Und man ist überall – in der
Stadt, im Wald, am Land. [...]
Da ergeben sich unglaubliche Leistungen, vor allem Sandra Cervik als Valerie – der stete
Kampf dagegen, eine abgewrackte Alte zu sein, die sich mit ihren jungen Liebhabern selbst verachtet
und dennoch immer wieder die Bestätigung aus Frau sucht, obwohl sie genau weiß, wie sehr sie dafür
bezahlt (im doppelten Sinn). Das ist eine Großleistung, man merke sie für den nächsten "Nestroy"
vor, was Besseres wird nicht so schnell kommen.
Den Strizzi Alfred haben noch so gut wie alle Interpreten getroffen, und das ist bei Florian
Teichtmeister nicht anders, der diesen Typen mit einer bestrickenden Fülle von auch
widersprüchlichen Tönen ausstattet. Was sollte auch aus ihm geworden sein, wenn man sieht, woher er
kommt? Auch die "böse" Großmutter war immer ein Meisterstück, selbst Humorbomben wie eine Adrienne
Gessner ließen einem dabei das Blut gefrieren, und Erni Mangold [...] bringt menschliche
Niedrigkeit und Gemeinheit wie kaum eine andere auf die Bühne [...]. Böser und schärfer als sonst
zeichnet Gabriele Schuchter Alfreds Mutter, während der Hierlinger Ferdinand oft als "böser Dämon"
Alfreds hingestellt wird, aber von Alexander Strobele hier vor allem die äußere Verbindlichkeit
dieser Vorstadt-Könige erhält. (Der neue Merker)
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