ging in die Theatergeschichte ein, indem er mit einer nahezu unglaublichen Aktion die
NS-Rassenideologie ad absurdum führte: Als Jude in Deutschland bereits mit Berufsverbot belegt, kam
er 1936 nach Österreich, färbte seine Körperbehaarung blond und sprach im Theater in der Josefstadt
vor. Er sei ein Bauer aus dem Salzburgischen mit Namen Kaspar Brandhofer und habe den sehnlichen
Wunsch, Schauspieler zu werden. Das "bodenständige Salzburger Naturtalent ohne jede
Theatererfahrung" wurde zur Sensation als Herr von Dorsday in Ernst Lothars Dramatisierung der
Schnitzler-Novelle "Fräulein Else". Wohl durch eine Indiskretion wurde nach wenigen Vorstellungen
seine wahre Identität bekannt. Nach der Erteilung der Beschäftigungsbewilligung spielte Leo Reuss
die Aufführungsserie unter dem Namen "Kaspar Brandhofer-Reuss" zu Ende. 1937 emigrierte er zunächst
nach Paris, anschließend nach Amerika. Felix Mitterer setzte ihm in seinem Theaterstück "In der
Löwengrube" ein Denkmal. 1998 hat unsere Dramaturgin Isabella Suppanz gemeinsam mitHilde
Haider-Pregler ein Buch über Leo Reuss geschrieben, das unter demTitel "Die Metamorphosen des Leo
Reuss" bei Holzhausen erschienen ist.