Unvergessene Stars der Josefstadt
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Leo Reuss
30.3.1891 - 1.4.1946

ging in die Theatergeschichte ein, indem er mit einer nahezu unglaublichen Aktion die NS-Rassenideologie ad absurdum führte: Als Jude in Deutschland bereits mit Berufsverbot belegt, kam er 1936 nach Österreich, färbte seine Körperbehaarung blond und sprach im Theater in der Josefstadt vor. Er sei ein Bauer aus dem Salzburgischen mit Namen Kaspar Brandhofer und habe den sehnlichen Wunsch, Schauspieler zu werden. Das "bodenständige Salzburger Naturtalent ohne jede Theatererfahrung" wurde zur Sensation als Herr von Dorsday in Ernst Lothars Dramatisierung der Schnitzler-Novelle "Fräulein Else". Wohl durch eine Indiskretion wurde nach wenigen Vorstellungen seine wahre Identität bekannt. Nach der Erteilung der Beschäftigungsbewilligung spielte Leo Reuss die Aufführungsserie unter dem Namen "Kaspar Brandhofer-Reuss" zu Ende. 1937 emigrierte er zunächst nach Paris, anschließend nach Amerika. Felix Mitterer setzte ihm in seinem Theaterstück "In der Löwengrube" ein Denkmal. 1998 hat unsere Dramaturgin Isabella Suppanz gemeinsam mitHilde Haider-Pregler ein Buch über Leo Reuss geschrieben, das unter demTitel "Die Metamorphosen des Leo Reuss" bei Holzhausen erschienen ist.